Peter Daniel & Nicole Horn

Der Rahmen

02.05. – 15.07.2022

Ausgestellte Werke

Über die Ausstellung

Peter Daniel & Nicole Horn

Der Rahmen

„Nicht sei dir
andere Gottheit
mir ins Angesicht.
Nicht mache dir Schnitzgebild, –
und alle Gestalt,
die im Himmel oben, die auf Erden unten, die im Wasser unter der Erde ist,
neige dich ihnen nicht, diene ihnen nicht …“

(Exodus 20,3–5)

 

„Es gibt keine erhabenere Stelle in den hebräischen Schriften, als das Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis machen.“ (Immanuel Kant)
„Das Gesetz anstelle des Bildes, das ist“ – so Leo Baeck – „das große Revolutionäre“. Und Horkheimer/Adorno in ihrer „Dialektik der Aufklärung“: „Hoffnung knüpft sie (die jüdische Religion, Anm. d. Verf.) einzig ans Verbot, das Falsche als Gott anzurufen, das Endliche als das Unendliche, die Lüge als Wahrheit.“

 

In diesem „zweiten Wort“ des Dekaloges („Zehnwort“) vom Sinai geht es um das Verbot von Kultbildern und Opferdienst; es wird darin die Bildlosigkeit der Verehrung des Absoluten postuliert. Die Unterscheidung zwischen „Pessel“, dem geschnitzten beziehungsweise dem gehauenen oder gegossenen Bild, und „T‘munah“, jedem anderen gestalthaft-gegenständlichen – also vor allem dem gezeichneten oder gemalten – Bild ist weitgehend bedeutungslos, da doch alle Kultbildformen gleichermaßen untersagt sind. Ebenso verboten ist die Verehrung von Himmelskörpern und Tieren als Gottheit.

Der Judaist und Schriftsteller Schalom Ben-Chorin meint – von diesem Kultbild-Verbot ausgehend –, dass es durchaus legitim sei, dieses Verbot für den Menschen von heute zu erweitern. „Denn“ – so führt er aus – „selbst wenn wir uns heute keine Bilder im ursprünglichen Sinne machen, so sind doch Denkbilder, Gedankengebilde traditioneller und konventioneller Art Blockierungen der echten Bildlosigkeit“. Jedes Gottesbild (wie übrigens auch jedes Dogma), jede Vorstellung wirke – so Ben-Chorin weiter – einengend und verfehle zwangsläufig „Wirklichkeit und Wesen Gottes“. Und Botho Strauß dazu: „Wo ein Bild ist, hat die Wirklichkeit ein Loch.“ – Der Rahmen ohne das Bild. Freiraum. Leerraum.

 

Peter Daniel
Geboren 1963 in Wien, Studium der Rechtswissenschaften (Mag. Dr. iur.), freier Schriftsteller und Objektkünstler.
Zahlreiche Buchpublikationen (zuletzt im Seifert Verlag/Wien erschienen das Buch „Zwischenda“) sowie Ausstellungen Visueller Poesie.
Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV) und des Schweizerischen Werkbunds (SWB). Mitglied des Beirats des Centre for German-Jewish Studies (The Weidenfeld Institute)/University of Sussex.

 

Nicole Horn
Geboren 1974 in Wien, Studium der Rechtswissenschaften (Mag. Dr. iur.), diverse einschlägige Publikationen zum Thema Nationalsozialismus (so etwa das Buch „Der Massenmord als NS-Erlösungsbedingung“). Mitglied des Beirats des Centre for German-Jewish Studies (The Weidenfeld Institute)/University of Sussex. Tätigkeitsfelder: Objektkunst und Concept Art.

Ort

Lobkowitzplatz 3, 1010 Wien

Wann

02.05. – 15.07.2022