Über die Ausstellung
Markus Redl
Exit_Safe_Space
In seiner ersten Einzelausstellung bei Smolka Contemporary zeigt Markus Redl Zeichnungen aus vier Zyklen und neue Skulpturen, die aufeinander Bezug nehmen und mit Überlegungen zum Titel Exit_Safe_Space verbunden sind.
Im Galerieraum am Lobkowitzplatz schauen Vögel aus dem „Kauz – Zyklus“ auf ein Portal, eine 188 cm hohe Zeichnung aus dem „Exit_Safe_Space – Zyklus“. Wohin die Tür führt ist ungewiss, aber sie markiert eine Grenze und schafft ein Innen und Außen. Vögel bewegen sich für gewöhnlich durch die Lüfte, frei über die Grenzen von Nationen, Land und Wasser hinweg. Käuze sind lautlose Jäger, die Katzen der Lüfte. Sie wurden über lange Zeit sehr unterschiedlich von den Menschen wahrgenommen. Sie waren ebenso Symbole für Weisheit, so wie sie als Todesboten galten und deshalb ihrerseits gejagt und dann an Haustore genagelt wurden, um drohendes Unheil abzuwenden. In dieser Ausstellung beobachten die Käuze das Portal, als Grenze oder vielleicht „Exit“ von oder zu einem womöglich sicheren Raum.
Zu sehen sind außerdem drei Skulpturen aus Stein mit den Titeln „la borsa“, „Marsupium“ und „the safe“. Mit „la borsa“ ist nicht nur die Geldbörse gemeint, es ist auch eine Tasche und bedeutet ebenso die Börse aus dem Finanzwesen. Das Känguru „Marsupium“, mit seinem Beutel bzw. seiner Bruttasche, verbindet sich mit dem Tresor „the safe“ und „la borsa“: Die Bruttasche schützt neues und heranwachsendes Leben; der Safe schützt Wertgegenstände, die als Sicherheiten für das Leben dienen; und die Börse ist der Raumkörper, in dem sich sammelt, was unser Leben, durch Tausch an „Wertigkeiten“, gestaltet. Die drei Werke bilden materielle wie immaterielle Räume, die mit dem Wunsch nach Sicherheit assoziiert sind. Doch in der Bruttasche sitzt ein König*innenkind, von dem wir nicht wissen, wie es sich entwickeln wird, der Tresor aus Stein lässt sich nicht befüllen und die Börse aus Stein nicht öffnen.
In der Soziologie wird ein Safe Space als inklusive Umgebung verstanden, also ein Schutzraum, oder geschützter sozialer Raum für Menschen, die als Angehörige einer Gruppe Diskriminierungserfahrungen teilen. Sicherheit und Freiheit sind zwei Sehnsuchtsorte, Wunschräume des Menschen und sie scheinen sich gegenseitig auf den Leib zu rücken. Mitunter entsteht der Eindruck: Je weitreichendere Anstrengungen zur Sicherheit unternommen werden, desto weitreichendere Einschränkungen erfährt die Freiheit und so bleibt der Versuch zwischen diesen Polen eine Balance zu finden, ein Hochseilakt laufender Verhandlungen mit ungewissem Ausgang.
Die Kombination von „Safe Space“ mit dem Wort „Exit“ ist als Ausstellungstitel deshalb besonders interessant, weil sie in eine unauflösbare Unsicherheit führt. „Exit“ ist für sich genommen ein vielschichtiges Wort. Es bedeutet Hinausgehen; etwas beenden; eine Situation verlassen; oder auch die Chance seine Not zu wenden, sich in Sicherheit zu bringen; ebenso kann es den Übergang vom Leben in den Tod meinen. Der Ausstellungstitel „Exit_Safe_Space“ bedarf einer Interpretation, die, egal wie sie ausfällt, keine Sicherheit mit sich bringt, weil nicht zweifelsfrei geklärt werden kann, ob man sich aus einem Safe Space heraus, oder in einen Safe Space hinein bewegt.
Markus Redl wurde 1977 in Klosterneuburg geboren und ist Zeichner, Bildhauer und Autor. Er studierte zunächst Psychologie an der Universität Wien und dann von 1998 bis 2004 an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei Ingeborg Strobl und Erwin Wurm. Er lebt und arbeitet in Wien.
Lobkowitzplatz 3 / Spiegelgasse 25, 1010 Wien
Wann
10.04. – 28.05.2026 / Demnächst
Künstler*innen